Der Circuit de Spa-Francorchamps gehört mit Eau Rouge, Raidillon und seinen schnellen Passagen zu den anspruchsvollsten Rennstrecken Europas. Für uns wurde die legendäre Ardennen-Achterbahn beim Saisonfinale des Prototype Cup Europe nun zur Bühne für den bislang größten Erfolg dieser Saison. Dabei war die Ausgangslage denkbar spannend: Mit vier Punkten Rückstand auf den Meisterschaftsführenden reisten wir nach Belgien und wussten, dass beim Saisonfinale jedes Detail zählen würde.
Bereits die Tests am Mittwoch verliefen sehr vielversprechend. Der Donnerstag zeigte sich mit wechselhaftem Wetter deutlich schwieriger, aber unsere Fahrer zeigten auch unter diesen Bedingungen gute Ergebnisse und gingen entsprechend zuversichtlich in den entscheidenden Freitag.
Mit zwei Qualifyings und den beiden letzten Meisterschaftsläufen in der Saison 2026 wartete am Freitag ein volles Programm auf Fahrer und Team. Hinzu kam das typische Spa-Wetter mit wechselnden Bedingungen und teilweise starkem Regen. Maxim Dirickx ließ sich davon im ersten Qualifying nicht beeindrucken und stellte unseren Ligier JS P325 auf Regenreifen mit einer starken letzten Runde auf Startplatz zwei. Direkt im Anschluss übernahm Nigel Moore das Cockpit für das zweite Qualifying. Schon in seiner Outlap meldete er über Funk, dass er auf Slicks wechseln wollte. Zu diesem Zeitpunkt eine durchaus gewagte Entscheidung, die sich als goldrichtig erweisen sollte. Nigel brachte die Reifen auf Temperatur und setzte in seiner letzten Runde ein echtes Ausrufezeichen: Mit einer Zeit von 2:23,214 Minuten sicherte er uns die Pole-Position für den zweiten Lauf – mit beeindruckenden 2,5 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten.
Im ersten Rennen ging Maxim von Startplatz zwei ins Rennen. Bereits in der ersten Runde sorgte ein schwerer Unfall im Bereich Raidillon für eine lange Safety-Car-Phase. Maxim behielt in dieser schwierigen Situation die Ruhe, hielt seine Reifen auf Temperatur und war beim Restart sofort wieder auf der Höhe. Auf Position zwei liegend kam er zum Fahrerwechsel an die Box und übergab unseren Ligier an Nigel. Nach einem erneut sehr guten Boxenstopp fand sich Nigel zunächst auf Rang drei wieder, machte aber kurzen Prozess und eroberte Platz zwei zurück. Anschließend verkürzte er sogar noch den Abstand zur Spitze und wurde schließlich als Zweiter abgewunken. Damit hatten wir das erste wichtige Ziel des Tages erreicht: Maxim machte aus vier Punkten Rückstand eine Führung von drei Punkten und ging als neuer Meisterschaftsführender in das alles entscheidende Saisonfinale.
Nur wenige Stunden später stand damit alles auf dem Spiel. Nigel startete von der Pole-Position und behauptete die Führung bereits in La Source. Danach zeigte er erneut seine ganze Erfahrung, fuhr einen fehlerfreien und schnellen Stint und erarbeitete sich Stück für Stück einen wichtigen Vorsprung. Als sich das Boxenstoppfenster öffnete, übergab er unseren Ligier als Führender an Maxim. Trotz einer reglementbedingt vier Sekunden längeren Standzeit als beim direkten Meisterschaftskonkurrenten zahlten sich der herausgefahrene Vorsprung und die erneut perfekte Arbeit unserer Boxencrew aus. Maxim kam auf Position eins zurück auf die Strecke. Und er machte sofort deutlich, dass er diesen Sieg nicht mehr aus der Hand geben wollte. Vom ersten Kilometer an war er auf den Punkt da, fuhr konstant schnelle Runden und baute seinen Vorsprung auf den direkten Verfolger im weiteren Verlauf sogar wieder aus. Nach 55 intensiven Minuten überquerte Maxim schließlich mit 3,5 Sekunden Vorsprung als Erster die Ziellinie von Spa-Francorchamps.
Was danach folgte, war der perfekte Abschluss einer außergewöhnlichen Saison. Mit dem Sieg im letzten Rennen sicherte sich Maxim Dirickx die Fahrermeisterschaft im Prototype Cup Europe und gleichzeitig den Titel in der Juniorwertung. Und auch für die gesamte Mannschaft gab es Grund zum Feiern: AUST Motorsport gewann mit fünf Punkten Vorsprung die Teammeisterschaft. Fahrerwertung, Juniorwertung und Teamwertung – drei Titel und damit der Hattrick für AUST Motorsport.
„Alles in allem war es für uns eine perfekte Woche hier in Spa“, resümiert Teamchef Frank Aust. „Es ist wirklich schön zu sehen, wie gut Maxim und Nigel gemeinsam gewachsen sind. Nigel hat mit seiner Erfahrung einen enorm wichtigen Beitrag geleistet und Maxim hat in dieser Saison unglaublich viel gelernt und ist als Fahrer enorm gereift. Dass wir uns am Ende mit allen drei Titeln belohnen konnten, macht mich sehr stolz auf die gesamte Mannschaft. Fahrer, Mechaniker, Ingenieur und das ganze Team haben über die Saison hinweg einen großartigen Job gemacht. Dafür gebührt ihnen ein großer Dank und mein tiefer Respekt. Auch bedanken möchte ich mich bei allen Sponsoren, Freunden und Förderern, die immer an uns geglaubt haben und ohne die ein solches Ergebnis nicht möglich gewesen wäre! Danke.“
Mit dem Titelgewinn endet für uns eine erfolgreiche Saison im Prototype Cup Europe. Und gleichzeitig richtet sich der Blick bereits auf die nächste Herausforderung. Unser Weg in der Langstrecke soll 2027 weitergehen. Gemeinsam mit Maxim Dirickx und Nigel Moore möchten wir den nächsten Schritt machen und 2027 im Michelin Le Mans Cup an den Start gehen. Nach diesem Saisonfinale in Spa könnte es kaum einen besseren Zeitpunkt geben, um dieses neue Kapitel aufzuschlagen.

