Zum Schiller-Jahr 2005

   Mastholte - In einem Nachlass einer befreundeten Familie in meiner Heimatstadt Greven fand ich, sozusagen passend zum Schiller- Jahr 2005, des Dichters „Lied von der Glocke“, und zwar in münsterländischer plattdeutscher Mundart! Vor heute etwa 50 Jahren, als wir selbst uns noch mit dem umfänglichen Text herumplagten, hat damals ein Zeitgenosse sich die Mühe gemacht, Schillers Ballade in die plattdeutsche Mundart zu setzen. Während es ja viele Parodien gibt, ist diese Arbeit keineswegs so angelegt. Hier wird vielmehr versucht, die Schillerschen Empfindungen beim Besuch einer Glockengießerei in Rudolfstadt im Jahre 1788 auch in der westfälischen Mundart zum „Klingen“ zu bringen.
   Friedrich von SCHILLER
 In Johann Georg Krünitz Enzyklopädie fand Schiller auch den Leitspruch für sein Gedicht: Vivos voco, mortuos plango, fulgura frango, d.h. Ich [die Glocke] rufe die Lebenden, ich beweine die Toten, ich breche die Blitze. Es ist eine weit verbreitete Glocken-Umschrift. (Sie stand auch auf einer Glocke von Mastholte, die im ersten Weltkrieg eingeschmolzen wurde.) Aus diesem Grunde auch ist ”Das Lied von der Glocke” unlösbar mit der Schaffhausener Glocke verknüpft, denn Schiller kannte diese Glocke per Anschauung.

 Nicht wenige Interpreten erkennen in seiner Ballade seine Auseinandersetzung mit den Exzessen der Französischen Revolution von 1789. Erst 1799 vollendete Schiller „das Lied von der Glocke“ in seinem Wohnort Weimar. „Meisterhaft lässt Schiller das stufenweise vor sich gehende Entstehen der Glocke gleichsam gleichen Schritt halten mit der Entwicklung des menschlichen Lebens, vom Anfang an bis zu seiner Vollendung“, schreibt Andre Lehr, „als Taufglocke, als Heiratsglocke, als Totenglocke, als Feuerglocke, als Angelusglocke, als Sturmglocke usw.“Ein ernsthafter, interessanter Versuch! Die vielen Lebensweisheiten, die zu geflügelten Worten bis in die Gegenwart wurden, sind wie selbstverständlich in unserem Sprachgebrauch. Jeder von uns kennt schließlich seine Pappenheimer. Und dass früh sich übt, was ein Meister werden soll, weiß jedes Kind. Schillers Worte sind allgegenwärtig, aber wir ordnen sie ihm als Urheber oft nicht mehr zu.

Ein paar Beispiele aus dem „Lied von der Glocke“: „O! dass sie ewig grünen bliebe, die schöne Zeit der jungen Liebe!“ - „Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ew´ger Bund zu flechten.“ - „Drum prüfe, wer sich ewig bindet ...“ - „Von der Stirne heiß rinnen muss der Schweiß, soll das Werk den Meister loben ...“ - „Errötend folgt er ihren Spuren und ist von ihrem Gruß beglückt ...“ - „Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.“ - „Und drinnen waltet die züchtige Hausfrau ...“ - „Den schlechten Mann muß man verachten, der nie bedacht, was er vollbringt.“. In der plattdeutschen Fassung erhalten Zitate und Sprüche oft doppelten, eigenartigen Klang!

 Wir Schüler damals hatten wegen der Länge das Epos eher abgeschrieben denn gelernt. Und so richtig verstehen wollten wir die Ballade auch nicht. Und so bereitet mir das Lesen heute der plattdeutschen Fassung, die hochdeutsche danebenliegend, eine hilfreiche Sicht auf die Schillerschen Gedanken. Erst die Gegenüberstellung lässt für mich Schillers Intentionen so richtig deutlich werden, nämlich als Summe der Erfahrungen und Erkenntnisse eines gereiften Menschen. Während in der Gießerei die Glocke entsteht, läuft gleichsam vor unseren Augen der Film des Lebens ab, von der Wiege bis zur Bahre, mit allen Höhen und Tiefen, mit Glück und Verhängnis, mit allem, was wir Menschen in unserem Dasein ric

  "Übersetzung in Mastholter Platt: Ingrid Wedeking"

htig und falsch machen können.

 Um zum Schiller-Jahr nun auch den Heimatfreunden in Mastholte einen solchen Einblick zu bereiten, bat ich die Volkskundlerin und Expertin fürs Mastholter Platt Ingrid Wedeking, anhand der münsterländischen Vorlage eine Version für Mastholte zu fertigen. Ich finde ihre Arbeit so gelungen, dass ich sie in einer Synopse (links Schiller, rechts platt) auf diesem Wege allen Mastholtern zugänglich machen möchte. Sicher können auch die Nachbarn unserer Ortschaft etwas damit anfangen. Viel Freude!

       Bert Bertling

Friedrich von SCHILLER (1759-1805) ,
Das Lied von der Glocke (1799)
üö

1   Fest gemauert in der Erden
    Steht die Form, aus Lehm gebrannt.
    Heute muß die Glocke werden,
    Frisch, Gesellen, seid zur Hand.
5   Von der Stirne heiß
    Rinnen muß der Schweiß,
    Soll das Werk den Meister loben,
    *Doch der Segen kommt von oben.
    Zum Werke, das wir ernst bereiten,
10  Geziemt sich wohl ein ernstes Wort;
    Wenn gute Reden sie begleiten,
    Dann fließt die Arbeit munter fort.
    So laßt uns jetzt mit Fleiß betrachten,
    Was durch die schwache Kraft entspringt,
15  Den schlechten Mann muß man verachten,
    Der nie bedacht, was er vollbringt.
    Das ist's ja, was den Menschen zieret,
    Und dazu ward ihm der Verstand,
    Daß er im innern Herzen spüret,
20  Was er erschafft mit seiner Hand.
    Nehmet Holz vom Fichtenstamme,
    Doch recht trocken laßt es sein,
    Daß die eingepreßte Flamme
    Schlage zu dem Schwalch hinein.
25  Kocht des Kupfers Brei,
    Schnell das Zinn herbei,
    Daß die zähe Glockenspeise
    Fließe nach der rechten Weise.
    Was in des Dammes tiefer Grube
30  Die Hand mit Feuers Hülfe baut,
    Hoch auf des Turmes Glockenstube
    Da wird es von uns zeugen laut.
    Noch dauern wird's in späten Tagen
    Und rühren vieler Menschen Ohr
35  Und wird mit dem Betrübten klagen
    Und stimmen zu der Andacht Chor.
    Was unten tief dem Erdensohne
    Das wechselnde Verhängnis bringt,
    Das schlägt an die metallne Krone,
40  Die es erbaulich weiterklingt.
    Weiße Blasen seh ich springen,
    Wohl! Die Massen sind im Fluß.
    Laßt's mit Aschensalz durchdringen,
    Das befördert schnell den Guß.
45  Auch von Schaume rein
    Muß die Mischung sein,
    Daß vom reinlichen Metalle
    Rein und voll die Stimme schalle.
    Denn mit der Freude Feierklange
50   Begrüßt sie das geliebte Kind
    Auf seines Lebens erstem Gange,
    Den es in Schlafes Arm beginnt;
    Ihm ruhen noch im Zeitenschoße
    Die schwarzen und die heitern Lose,
55  Der Mutterliebe zarte Sorgen
    Bewachen seinen goldnen Morgen. -
    Die Jahre fliehen pfeilgeschwind.
    Vom Mädchen reißt sich stolz der Knabe,
    Er stürmt ins Leben wild hinaus,
60  Durchmißt die Welt am Wanderstabe.
    Fremd kehrt er heim ins Vaterhaus,
    Und herrlich, in der Jugend Prangen,
    Wie ein Gebild aus Himmelshöhn,
    Mit züchtigen, verschämten Wangen
65  Sieht er die Jungfrau vor sich stehn.
    Da faßt ein namenloses Sehnen
    Des Jünglings Herz, er irrt allein,
    Aus seinen Augen brechen Tränen,
    Er flieht der Brüder wilden Reihn.
70   *Errötend folgt er ihren Spuren
    Und ist von ihrem Gruß beglückt,
    Das Schönste sucht er auf den Fluren,
    Womit er seine Liebe schmückt.
    O! zarte Sehnsucht, süßes Hoffen,
75  Der ersten Liebe goldne Zeit,
    Das Auge sieht den Himmel offen,
    Es schwelgt das Herz in Seligkeit.
    *O! daß sie ewig grünen bliebe,
    *Die schöne Zeit der jungen Liebe!
80  Wie sich schon die Pfeifen bräunen!
    Dieses Stäbchen tauch ich ein,
    Sehn wir's überglast erscheinen
    Wird's zum Gusse zeitig sein.
    Jetzt, Gesellen, frisch!
85   Prüft mir das Gemisch,
    Ob das Spröde mit dem Weichen
    Sich vereint zum guten Zeichen.
    Denn wo das Strenge mit dem Zarten,
    Wo Starkes sich und Mildes paarten,
90   Da gibt es einen guten Klang.
    *Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
    *Ob sich das Herz zum Herzen findet!
    *Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.
    Lieblich in der Bräute Locken
95  Spielt der jungfräuliche Kranz,
    Wenn die hellen Kirchenglocken
    Laden zu des Festes Glanz.
    Ach! des Lebens schönste Feier
    Endigt auch den Lebensmai,
100  Mit dem Gürtel, mit dem Schleier
    Reißt der schöne Wahn entzwei.
    Die Leidenschaft flieht!
    Die Liebe muß bleiben,
    Die Blume verblüht,
105 Die Frucht muß treiben.
    Der Mann *muß hinaus
    *ins feindliche Leben,
    Muß wirken und streben
    Und pflanzen und schaffen,
110 Erlisten, erraffen,
    Muß wetten und wagen,
    Das Glück zu erjagen.
    Da strömet herbei die unendliche Gabe,
    Es füllt sich der Speicher mit köstlicher Habe,
115  Die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus.
    *Und drinnen waltet
    *Die züchtige Hausfrau,
    Die Mutter der Kinder,
    Und herrschet weise
120 Im häuslichen Kreise,
    Und lehret die Mädchen
    Und wehret den Knaben,
    Und reget ohn Ende
    Die fleißigen Hände,
125 Und mehrt den Gewinn
    Mit ordnendem Sinn.
    Und füllet mit Schätzen die duftenden Laden,
    Und dreht um die schnurrende Spindel den Faden,
    Und sammelt im reinlich geglätteten Schrein
130 Die schimmernde Wolle, den schneeigten Lein,
    Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer,
    Und ruhet nimmer.
    Und der Vater mit frohem Blick
    Von des Hauses weitschauendem Giebel
135 Überzählet sein blühend Glück,
    Siehet der Pfosten ragende Bäume
    Und der Scheunen gefüllte Räume
    Und die Speicher, vom Segen gebogen,
    Und des Kornes bewegte Wogen,
140 Rühmet sich mit stolzem Mund:
    Fest, wie der Erde Grund,
    Gegen des Unglücks Macht
    Steht mir des Hauses Pracht!
    *Doch mit des Geschickes Mächten
145 *Ist kein ew'ger Bund zu flechten,
    Und das Unglück schreitet schnell.
    Wohl! Nun kann der Guß beginnen,
    Schön gezacket ist der Bruch.
    Doch, bevor wir's lassen rinnen,
150 Betet einen frommen Spruch!
    Stoßt den Zapfen aus!
    Gott bewahr das Haus.
    Rauchend in des Henkels Bogen
    Schießt's mit feuerbraunen Wogen.
 155 Wohltätig ist des Feuers Macht,
    Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht,
    Und was er bildet, was er schafft,
    Das dankt er dieser Himmelskraft,
    Doch furchtbar wird die Himmelskraft,
160  Wenn sie der Fessel sich entrafft,
    Einhertritt auf der eignen Spur
    Die freie Tochter der Natur.
    *Wehe, wenn sie losgelassen
    Wachsend ohne Widerstand
165  Durch die volkbelebten Gassen
    Wälzt den ungeheuren Brand!
    Denn die Elemente hassen
    Das Gebild der Menschenhand.
    Aus der Wolke
170  Quillt der Segen,
    Strömt der Regen,
    Aus der Wolke, ohne Wahl,
    Zuckt der Strahl!
    Hört ihr's wimmern hoch vom Turm?
175 Das ist Sturm!
    Rot wie Blut
    Ist der Himmel,
    Das ist nicht des Tages Glut!
    Welch Getümmel
180 Straßen auf!
    Dampf wallt auf!
    Flackernd steigt die Feuersäule,
    Durch der Straße lange Zeile
    Wächst es fort mit Windeseile,
185  Kochend wie aus Ofens Rachen
    Glühn die Lüfte, Balken krachen,
    Pfosten stürzen, Fenster klirren,
    Kinder jammern, Mütter irren,
    Tiere wimmern
190 Unter Trümmern,
    Alles rennet, rettet, flüchtet,
    Taghell ist die Nacht gelichtet,
    Durch der Hände lange Kette
    Um die Wette
195 Fliegt der Eimer, hoch im Bogen
    Sprützen Quellen, Wasserwogen.
    Heulend kommt der Sturm geflogen,
    Der die Flamme brausend sucht.
    Prasselnd in die dürre Frucht
200   Fällt sie, in des Speichers Räume,
    In der Sparren dürre Bäume,
    Und als wollte sie im Wehen
    Mit sich fort der Erde Wucht
    Reißen, in gewaltger Flucht,
205 Wächst sie in des Himmels Höhen
    Riesengroß!
    Hoffnungslos
    Weicht der Mensch der Götterstärke,
    Müßig sieht er seine Werke
210 Und bewundernd untergehn.
    *Leergebrannt
    *Ist die Stätte,
    Wilder Stürme rauhes Bette,
    In den öden Fensterhöhlen
215 Wohnt das Grauen,
    Und des Himmels Wolken schauen
    Hoch hinein.
    Einen Blick
    Nach dem Grabe
220 Seiner Habe
    Sendet noch der Mensch zurück -
    Greift fröhlich dann zum Wanderstabe,
    Was Feuers Wut ihm auch geraubt,
    Ein süßer Trost ist ihm geblieben,
225  *Er zählt die Häupter seiner Lieben,
    Und sieh! ihm fehlt kein teures Haupt.
    In die Erd ist's aufgenommen,
    Glücklich ist die Form gefüllt,
    Wird's auch schön zutage kommen,
230 Daß es Fleiß und Kunst vergilt?
    Wenn der Guß mißlang?
    Wenn die Form zersprang?
    Ach! vielleicht, indem wir hoffen,
    Hat uns Unheil schon getroffen.
 235 Dem dunkeln Schoß der heilgen Erde
    Vertrauen wir der Hände Tat,
    Vertraut der Sämann seine Saat
    Und hofft, daß sie entkeimen werde
    Zum Segen, nach des Himmels Rat.
240 Noch köstlicheren Samen bergen
    Wir trauernd in der Erde Schoß
    Und hoffen, daß er aus den Särgen
    Erblühen soll zu schönerm Los.
    Von dem Dome,
245 Schwer und bang,
    Tönt die Glocke
    Grabgesang.
    Ernst begleiten ihre Trauerschläge
    Einen Wandrer auf dem letzten Wege.
 250 Ach! die Gattin ists, die teure,
    Ach! es ist die treue Mutter,
    Die der schwarze Fürst der Schatten
    Wegführt aus dem Arm des Gatten,
    Aus der zarten Kinder Schar,
255 Die sie blühend ihm gebar,
    Die sie an der treuen Brust
    Wachsen sah mit Mutterlust -
    Ach! des Hauses zarte Bande
    Sind gelöst auf immerdar,
260 Denn sie wohnt im Schattenlande,
    Die des Hauses Mutter war,
    Denn es fehlt ihr treues Walten,
    Ihre Sorge wacht nicht mehr,
    An verwaister Stätte schalten
265 Wird die Fremde, liebeleer.
    Bis die Glocke sich verkühlet,
    Laßt die strenge Arbeit ruhn,
    Wie im Laub der Vogel spielet,
    Mag sich jeder gütlich tun.
270 Winkt der Sterne Licht,
    Ledig aller Pflicht
    Hört der Pursch die Vesper schlagen,
    Meister muß sich immer plagen.
    *Munter fördert seine Schritte
275 Fern im wilden Forst der Wandrer
    Nach der lieben Heimathütte.
    Blökend ziehen
    Heim die Schafe,
    Und der Rinder
280 Breitgestirnte, glatte Scharen
    Kommen brüllend,
    Die gewohnten Ställe füllend.
    Schwer herein
    Schwankt der Wagen,
285  Kornbeladen,
    Bunt von Farben
    Auf den Garben
    Liegt der Kranz,
    Und das junge Volk der Schnitter
290 Fliegt zum Tanz.
    Markt und Straße werden stiller,
    Um des Lichts gesellge Flamme
    Sammeln sich die Hausbewohner,
    Und das Stadttor schließt sich knarrend.
295 Schwarz bedecket
    Sich die Erde,
    Doch den sichern Bürger schrecket
    Nicht die Nacht,
    Die den Bösen gräßlich wecket,
300 Denn *das Auge des Gesetzes wacht.
    *Heilge Ordnung, segenreiche
    *Himmelstochter, die das Gleiche
    Frei und leicht und freudig bindet,
    Die der Städte Bau gegründet,
305 Die herein von den Gefilden
    Rief den ungesellgen Wilden,
    Eintrat in der Menschen Hütten,
    Sie gewöhnt zu sanften Sitten
    Und das teuerste der Bande
310 Wob, den Trieb zum Vaterlande!
    Tausend fleißge Hände regen,
    Helfen sich in munterm Bund,
    Und in feurigem Bewegen
    Werden alle Kräfte kund.
315 Meister rührt sich und Geselle
    In der Freiheit heilgem Schutz.
    Jeder freut sich seiner Stelle,
    Bietet dem Verächter Trutz.
    Arbeit ist des Bürgers Zierde,
320 Segen ist der Mühe Preis,
    Ehrt den K ö n i g seine Würde,
    Ehret u n s der Hände Fleiß.
    *Holder Friede,
    *Süße Eintracht,
325 Weilet, weilet
    Freundlich über dieser Stadt!
    Möge nie der Tag erscheinen,
    Wo des rauhen Krieges Horden
    Dieses stille Tal durchtoben,
330 Wo der Himmel,
    Den des Abends sanfte Röte
    Lieblich malt,
    Von der Dörfer, von der Städte
    Wildem Brande schrecklich strahlt!
335 Nun zerbrecht mir das Gebäude,
    Seine Absicht hat's erfüllt,
    Daß sich Herz und Auge weide
    An dem wohlgelungnen Bild.
    Schwingt den Hammer, schwingt,
340 Bis der Mantel springt,
    Wenn die Glock' soll auferstehen,
    Muß die Form in Stücken gehen.
    Der Meister kann die Form zerbrechen
    Mit weiser Hand, zur rechten Zeit,
345 Doch wehe, wenn in Flammenbächen
    Das glühnde Erz sich selbst befreit!
    Blindwütend mit des Donners Krachen
    Zersprengt es das geborstne Haus,
    Und wie aus offnem Höllenrachen
350 Speit es Verderben zündend aus;
    *Wo rohe Kräfte sinnlos walten,
    *Da kann sich kein Gebild gestalten,
    Wenn sich die Völker selbst befrein,
    Da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn.
 355 Weh, wenn sich in dem Schoß der Städte
    Der Feuerzunder still gehäuft,
    Das Volk, zerreißend seine Kette,
    Zur Eigenhilfe schrecklich greift!
    Da zerret an der Glocke Strängen
360 Der Aufruhr, daß sie heulend schallt
    Und, nur geweiht zu Friedensklängen,
    Die Losung anstimmt zur Gewalt.
    Freiheit und Gleichheit! hört man schallen,
    Der ruhge Bürger greift zur Wehr,
365 Die Straßen füllen sich, die Hallen,
    Und Würgerbanden ziehn umher,
    *Da werden Weiber zu Hyänen
    Und treiben mit Entsetzen Scherz,
    Noch zuckend, mit des Panthers Zähnen,
370 Zerreißen sie des Feindes Herz.
    Nichts Heiliges ist mehr, es lösen
    Sich alle Bande frommer Scheu,
    Der Gute räumt den Platz dem Bösen,
    Und alle Laster walten frei.
375 *Gefährlich ist's, den Leu zu wecken,
    *Verderblich ist des Tigers Zahn,
    *Jedoch der schrecklichste der Schrecken,
    *Das ist der Mensch in seinem Wahn.
    Weh denen, die dem Ewigblinden
380 Des Lichtes Himmelsfackel leihn!
    Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
    Und äschert Städt' und Länder ein.
    Freude hat mir Gott gegeben!
    Sehet! wie ein goldner Stern
385 Aus der Hülse, blank und eben,
    Schält sich der metallne Kern.
    Von dem Helm zum Kranz
    Spielt's wie Sonnenglanz,
    Auch des Wappens nette Schilder
390 Loben den erfahrnen Bilder.
    Herein! Herein!
    Gesellen alle, schließt den Reihen,
    Daß wir die Glocke taufend weihen,
    CONCORDIA soll ihr Name sein,
395 Zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine
    Versammle sie die liebende Gemeine.
    Und dies sei fortan ihr Beruf,
    Wozu der Meister sie erschuf!
    Hoch überm niedern Erdenleben
400 Soll sie in blauem Himmelszelt
    Die Nachbarin des Donners schweben
    Und grenzen an die Sternenwelt,
    Soll eine Stimme sein von oben,
    Wie der Gestirne helle Schar,
405 Die ihren Schöpfer wandelnd loben
    Und führen das bekränzte Jahr.
    Nur ewigen und ernsten Dingen
    Sei ihr metallner Mund geweiht,
    Und stündlich mit den schnellen Schwingen
410 Berühr im Fluge sie die Zeit,
    Dem Schicksal leihe sie die Zunge,
    SELBST herzlos, ohne Mitgefühl,
    Begleite sie mit ihrem Schwunge
    Des Lebens wechselvolles Spiel.
415 Und wie der Klang im Ohr vergehet,
    Der mächtig tönend ihr entschallt,
    So lehre sie, daß nichts bestehet,
    Daß alles Irdische verhallt.
    Jetzo mit der Kraft des Stranges
420 Wiegt die Glock mir aus der Gruft,
    Daß sie in das Reich des Klanges
    Steige, in die Himmelsluft.
    Ziehet, ziehet, hebt!
    Sie bewegt sich, schwebt!
425 Freude dieser Stadt bedeute,
    F r i e d e sei ihr erst Geläute.

Friedrich von Schiller (1759-1805)
Dat Lied van de Glocke (1799)
üöwersett´ van Ingrid Wedeking

1   Faste müert in de Äre
    Steiht de Fuorm out Läim gebrannt.
    Vandage mot de Glocke wär´n!
    Tou, Chesellen, bi de Hand!
5   Van de Blesse hait,
    Rünne mot de Schwait,
    Sall dat Wiärk den Meester luowen;
    Doch de Sirgen kümmt van buowen.
    To´t Wirk, dat wi nou makt parot,
10  Köurt sik wull en klorett Wauert;
    Wenn chutt Geköuer dobéi is,
    Dann kümt de Arbeit chut voran.
    So laot us nou met Fleit bekéiken,
    Wat dür wennig Kraft upchaiht;
15  Den slechten Kärl mött wi voachten,
    Wek nie bedacht, wat he beritt.
    Dat is´t wull, wat den Mensken uotmäckt,
    Un daoto hät he den Verstand,
    Dat he in sinnen Hiärten miärkt,
20  Wat he vullbringet met de Hand.
    Niähmt Holt von Füchten,
    Un wahne dröuge mot et sein,
    Datt dat inchedrückte Föur
    Schlött nou to den Swalch herin!
25  Kurkt den Bréi van Kurper!
    Hennig, nou dat Tinn dobéi,
    Dat de schwaore Glockenbréi
    Flütt dann no de rechten Wéise´!
    Wat innet Dammes daipe Kohle
30  De Hand met Foürs Hölpe bugget,
    Hauch up den Torn van de Glockensturwe,
    Dao wärd et tönigen van us harre.
    Un douern sall´t in laaten Dagen,
    Un driapen manches Menskens Ohr,
35  Un wärd met de Bedreuwten klagen
    Un stimmen to den Andacht Chor.
    Wat unnen daip den Ärdensuhne
    Dat wesselnde Vohängnis bringt,
    Dat schlött an de metall´ne Kraune,
40  Dat et chanz düfftig widder klingt.
    Witte Blaosen sai ik springen;
    Jau! dat Papp de is ant Flaiten.
    Laot´us mit Askensaolt dördringen,
    Dann réiChet sik betéid de Chuorte,
45  Auk von Schoume réin
    Mott dat Kürksel séin,
    Dat von´ reinlicken Metall
    Klaor un vull de Stimm erschall.
    Denn mit de frauhen Féirklang
50  Begrüusset se dat laiwe Kind
    Up  inet Lirwens aisten Gang,
    Den et inn en Schlaop beginnt;
    De Téid biärgt äm in ih´n Schaut
    De dönstern un de hellen Luose;
55  De Mauderlaiwe zachte Suorgen
    Bewachet sinnen chüldnen Muornen -
    De Jaohre goaht man wahne flink.
    Von´t Loitken ritt sik stolt dat Jüngsken,
    He stuört in´t Liärwen wild herrout,
60  Töit dür de Welt an´t Wannersstöcke,
    Früemd kümmt he trügg in´t Vaderhous.
    Un herrlik, in de Jougend Blöggens,
    Äs en Bild ut Himmelshöchten,
    Met züchtigen vorschiärmte Backen
65  Soit he de Jungfrou vör sik staohn.
    Do päcket en unbännig Siähnen
    Dat Hiärt von´t Jüngsken, he is alléin,
    Out sine Augen briäkt de Trönen,
    He bliw seitaff von sine Bräuer.
70  Ganz voschiermt chait he ihr nao,
    Un is van ihren Grous beglücket,
    Dat Schönste söch he up dat Oiwer,
    Womit he sine Laiwe schmücket.
    O zachte Siähnsucht, söitet Huopen!
75  De aisten Laiwe chüldne Téid!
    Dat Auge söut den Hiämmel urpen,
    Et biärst dat Hiärt in Siäligkeit;
    Oh, dat se ümmer blöggen där,
    De schöne Téid de jungen Laiw.
 80  Wie sik nou de Péipen bröunt!
    Düt Pinnken déip ik in,
    Düch etwas wie üöwerglaset,
    Möch de Gourte us cheroan.
    Tau, Chesiällen frisk!
85  Proift mi dat Gemisk,
    Off dat Faste und dat Waike
    Sik voeint to´n chuoden Taiken.
    Denn wo dat Strenge sik mit Sachten,
    Wo Starkes sik un Mildes paart,
90  Dao chiff et ennen guden Klank.
    Drüm preuwe, wek sik ewich bind,
    Off sik dat Hiärt to´t Hiärten findt!
    De Wahn is kuort, de Reu ist lang.
    Laiwlik in de Brout ihr Hoar,
95  Spielt de groine Jungfraukranz,
    Wenn de hellen Kieäkenglocken
    löiet´to den Hochtéid´s Chlanz.
    Ach! dat schönste Fest in´t Liärwen
    Mäkt to End den Liäwensmai,
100 Mit den Raimen, met den Schleier
    Ritt de schöne Wahn utnain.
    De Leidenschaft chait,
    De Laiw mott bléiwen;
    De Blom verblögget,
105 De Fruochte mott dréiwen.
    De Mann mott herout
    I´nt feindlicke Liäwen,
    Mott wiärken und striäwen
    Un planten un rackern,
110 Vürtüesken un schrappen,
    Mott wätten un waogen,
    Dat Glück to erjaogen.
    Dao strüömt hertau de unendlicke Gaobe,
    Et füllt sik de Spéiker met köstlicker Haobe,
115 De Roüme wasset, et diähnt sik dat Hous,
    Un binnen rechaiert 
    De züchtige Housfrugge,
    De Kinner ihr Mauder;
    Un hiärsket wéise
120 In´n houslicken Kréise,
    Un lähret de Loiters
    Un wiähret de Jüngskes,
    Un riäget ohne Enne,
    De fléitigen Hänne,
125 Un miährt den Gewinn
    Met réigenden Sinn,
    Un füllt met Chawen de duftenden Laden
    Un drägget üm sousende Spindels den Faden,
    Un sammelt in´t Schapp
130 De witte Wulle, dat réine Linnen.
    Un läch to´t Chude den Chlanz un den Schimmer,
    Un rouet nimmer.
    Un de Vader met fröhlicken Blick,
    Von´t Houses weítkéikenden Giewel
135 Üöwertellt sin blüggend Chlück,
    Söit de baumhaggen Pösten
    Un de Schöüern full Ähren
    Un de Spéiker, van Siägen schwor,

140 Prohlt sik met stolten Mund:
    Fast, äs de Iärden Grund,
    Giegen´t Unchlücks Macht
    Staiht mi det Houses Pracht!
    Doch met so unsiälicken Mächten
145 Is ken aiwigen Bund to flechten,
    Un dat Unchlück löt nich lang up sik woachten.
    Nou tao! nou kann de Guost anchoan;
    Praot zacket is de Brauk.
    Doch, ähr es wi et laupen laot,
150 Biärdet en frumen Spruok,
    Stait´ den Tappen ruot!
    Chuod bewahr dat Hous!
    Raukend innet Hänkels Buogen
    Schütt´t met föierbrounen Wuogen.
155 Wuohltätig isset Föiers Macht,
    Wenn se de Mensk betiähmt, bewacht,
    Un wat he utdenkt, wat he schafft,
    Dat dankt he düsse Himmelskraft.
    Doch laige wiärd de Hiämmelskraft,
160 Wenn se von Déissel sik entrafft,
    Lan chait up de eig´ne Spuor,
    De fréi Dochter de Natur.
    Waih us, wenn se laossgelaoten,
    Wassend ohne Wéirstand,
165 Dür de Vuolksbeliäbten Straoten,
    Rullt den wahnen chrauten Brand!
    Denn de Elemente hass´t
    Dat Chebild van Menskenhand.
    Out de Wuolke
170 Kümmt de Siägen,
    Strüömt de Riägen;
    Ut de Wolke, ohne Wohl,
    Zuockt de Straohl.
    Hört jou´t wimmern hauch van´Tuorn?
175 Dat is Stuorm!
    Raut, äs Blaut,
    Is den Hiämmel,
    Dat is nich de Dageschlout!
    Wat´n Chetümmel,
180 Straoten up!
    Domp wallt up!
    Flackernd stigg de Föiersüele,
    Dür de Straote lange Réige,
    Wässet fuort met Windeséile;
185 Kuokend, as out Uowens Rachen,
    Glöggel de Lüfte, Balkens krachen,
    Poeste stüörtet, Fensters klirret,
    Kinner jammert, Moder irret,
    Dieers wimmert
190 Unner Trümmer;
    Allet rennet, rettet, flaiht,
    Daghell is de Nacht belüchtet;
    Döür de Hänne lange Réige
    Üm de Wette
195 Flügg de Emmer, hauch in´n Bourgen
    Güett et langre Waterwourgen.
    Höulend kümmt de Stuorm anfluorgen,
    Wek dat Föier brousend söcht.
    Rasselnd in de düörre Raime,
200 In de Spaiers düörre Baime,
    Just äs wullte se innen Waihen
    Met sik wägg de Iärdenwucht
    Trekken in chraut mächt´ge Flucht,

205 Wässet in de Himmelshöchte
    Wahne chraut!
    Ohne Huoppen
    Weikt de Mensk de Guoddesmacht,
    Machtlos soiht he sine Wiärke
210 Un bewunnernd unnerchaohn.
    Utbrannt
    Is de Stéir,
    Wöiste Stürme, ruggett Berre.
    In de léigen Fensterbürke
215 Wuohnt dat Grousen,
    Un de Hiämmelswuolken kéiket
    Hauge hen.
    Enen Blick
    No den Grawe
220 Siner Hawe
    Send´t de Mensk no maol torrüg --
    Chrippt fröhlik dann to´n Wannerstaowe.
    Wal dat Föier em affnuhment,
    En söiten Traust is em bliewen,
225 He tällt de Köppe von de Laiwen,
    Un kéik, Iähm faihlt ken döüer Haupt.
    In den Iärd´ is´t upgenoumen,
    Glücklich is de Fuorm chansz füllt;
    Wiärd´t auk praot to Dage kuommen,
230 Dat et Fleit un Kunst vergüelt?
    Wenn de Gourt vorduorwen is?
    Wenn de Fuorm outnaine is?
    Aoch, viellicht, so äs wi´t huopen,
    Hätt us dat Unheil längs all druopen.
235 Den döüsteren Schauot de hill´gen Iärde
    Votrugget wi de Hänne Wirk,
    Votrugget de Bouer sine Soat
    Un huopt, dat se wull upchoan will
    Ton Siärgen no den Himmels Raot.
240 No biekere Soat wi biärget
    Trouernd in de Iärden Schaut
    Un huoppet, dat he ut de Särge
    Upblöggen sall to´t biätttere Laus.
    Von de hauge Kiärke,
245 Schwor und bang,
    Tüent de Chlocke
    Grawgesang.
    Bedroiwet löiet ihre Trouersliäge
    En Wannersmann up´n lesten Wiäge.
250 Ach, dat Frugge is´t, de chuede,
    Ach, et ist de Mauder, chuede,
    De de schwatte Füerst von´ Schatten
    Wägnuhrm out den Aorm van Chatten.
    Out de laiwe Kinnerschaor,
255 De se blöggend em gebaor,
    De se an de doiernn Buorst
    Wassen saoch met Mauderluost -
    Ach, de sachten Houses Banden
    Sind torieten immerdaor
260 Denn se wouhnt in´ Schattenlande,
    Wek det Houses Mauder waor;
    Denn et faihlt ihr toöüet Waolten,
    Ihre Suorge is nich miähr;
    An verlaot´ner Stiäe schaolten
265 Sall de de Früemde, laiweliär.
    Büs de Glocke sik verkoilt,
    Lot´ de schwore Arbeit liggen, .
    Wie in´t Lauw de Vügel spielt,,
    Sall sik jeder nou vogneugen..
270 Winkt dat Sternenlecht
    Rohet alle Plicht, ,
    Hört de Gesell de Vesper slaon;
    Meester mot sik alttéid plagen. .
    Munter set he sine Föite
275 Dür den willen Buschk de Wand´rer
    Nao de laiwen Heimaotstüe.
    Blökend treckt nao Hues de Schope,
    Un de Kögge

280 Bréitgeblesste, glatte Tröppe
    Koumet brüllend,
    De gewuhnten Ställe füllend.
    Schwaor herin
    Füert de Wagen,
285 Koarn bepackt;
    Bunt von Farwen,
    Up de Garwen
    Ligg de Kranz
    Un dat jounge Volk von Schnitkers
290 Flügg to´n Danz.
    Markt un Straoten wärd´nu stiller;
    Un dat Füers helle Flamme,
    Kuomt binain de Housgenossen,
    Un dat Stadttor slüt sik krachend.
295 Schwatt deckt´ sik de Iärde nou;
    Doch den sichern Bürger schriäkket
    Nich de Nacht,
    De den Laigen grießlich wecket;

300 Denn dat Auge von´t Gesetz dat wachet.
    Hill´ge Urdnung, siärgensréike
    Himmelsdochter, de dat Gléike
    Fréi und lecht un frauh vobindt,
    De de Städte bougget,
305 De herout out de Gefilde,
    Raip den ungesell´gen Wilden,
    Intratt in de Mensken Hütten,
    Se gewühnt an sachten Sitten,
    Un dat döierste Band
310 Wuob, den Draiw to´n Vaderland!
    Dousend fleitige Hänne riäget sik,
    Hölpt sik in´n munt´ren Bund,
    Un in füeriChen Bewieägen
    Wärd nou alle Kräfte kund.
315 Mester rüstet un Gesiälle
    In den Fréiheit hill´gen Schutz;
    Jeder frögget séiner St´eie,
    Wiss den Voächter sinen Trutz.
    Arbeit is de Tier von´ Bürger,
320 Siärgen is de Plaoge Préis;
    Ährt den Künig sine Würde,
    Ähret auk de Hänne Fléit.
    Holder Friede,
    Soite Intracht,
325 Resset
    fröndlik ürwer düsse Stadt!
    So sall nie de Dag ankummen,
    Wo de ruggen Kréigers Horden
    Düsset stille Tal votrampelt,
330 Wo de Himmel,
    obens röuet
    Van de Dürper, van de Städte
    Wöistem Branne schröcklick straohlt.

335 Nu tobriaket in dat Gemöier,
    Sine Afsicht is erfüllt,
    Dat sik Hiärt und Auge waide
    An dat wuohl gerohme Bild.
    Schlaot den Hammer, schlaot,
340 Bis de Mandel springet!
    Wenn de Glocke sall upstaohn,
    Mott de Fuorm in Stücke gaohn.
    De Meester kann de Fuorm tobriäken
    Met klauker Hand to rächter Téid;
345 Doch waihe, wenn in Füersbiäken
    Dat chlönnich Erz sik sölfs befréit!
    Ganz wahne, met´n Donnerskracken
    Tospringt et dat gebuorstne Hous,
    Un äs out uop´nen Höllenrachen
350 Spigget et Verdiärwen out.
    Wo rauhe Kräfte unwéis waolten,
    Do kann sik ken Gebild gestaolten;
    Wenn sik de Völker sölfs befrain,
    Do kann de Wouhlfahrt nich gedaihn.
355 Weih, wenn sik in de Städte Saut
    De Föierstunder still gehaipet,
    Dat Volk de Kéie teritt
    To Éigenhölpe schrecklik grippt!
    Do trecket an de Glockenstrang
360 De Upruhr, dat se höulend schallt
    Un, bloss gewiggett to Friedensklänge,
    De Luosung anstimmt to Gewoalt.
    Fréiheit und Gléikheit hört man schaollen;
    De stille Bürger chripp to Wiähr,
365 De Straoten füllet sik, de Hallen,
    Un Würgerbanden treckt ümhiär.
    Da wiärd de Wéiwer to Hyänen
    Und dréiwet met den Schröcken Scherz;
    No zuckend, met de Panthers Tiärne,
370 Toréitet se dat Feindes Hiärt.
    Nichs Hilliges is mähr, et löest
    Sik aller Banden frumer Schöue;
    Dat Chude rümt de Stäie vo´t Laige,
    Un alle Laster waoltet frei.
375 Gefohlik is´t den Leu to wecken,
    Vodiärslik is de Tigers Than;
    Un doch, de Schriöcklikste de Schrecken,
    Dat ist de Mensk in sinen Wahn.
    Waih sücke, de den Iärwigblinnen
380 Det Lechtes Himmelsfaockel leut!
    Se straohlt nich em, se kann blos tüenden,
    Un ächkert Städt´un Länner in.
    Fréide hät mit Godd gegiewen!
    Saihet! äs en chülden Stärn
385 Out de Hülse, blank un leike,
    Schält sik de metallne Kärn.
    Von den Helm to´n Kranz
    Speigelt´ Sunnenglanz.
    Auk de Wappens schoine Schiller
390 Luowet den vostänniger Bilder.
    Herin! Herin!
    Gesellen aolle, schloutet den Réipen,
    Dat wi de Glocke daipet, wigget!
    C o n c o r d i a  sall ihr Nome séin.
395 To Intracht, to hiärtinnigen Voeine
    Tohaup se kümmt de laiwende Gemeinde.
    Un düt séi alltéid ihr Beruof,
    Wotau de Mester se erschuf!
    Hauch ürwer séigen Iärdenliäwen
400 Sall se in´t blou Himmelstelt,
    De Naowersche von´ Donner schweben
    Un grenten an de Stärnenwelt,
    Sall eine Stimme séin van buowen,
    Wie de Gestirne helle Schaor,
405 De ihren Schöpfer tröulik luowen
    Un laihet dat bekränzte Jaohr.
    Bloss iärwigen un iärnsten Dingen
    Is ihr Éisen´ net Moul gewigget,
    Un stündlik in de harren Schwingen
410 Berüöhrn in Fluoge se de Téid.
    Dat Schicksal laihe se de Tunge;
    Sölfs hiärtlos, ohne Mitgefeul,
    Dat Liäwens wesselvulles Spiel.

415 Un wie de Klang in´t Ohr vergaiht,
    De miächtig tüönend ihr entschallt,
    So lähr se, dat nix bestaiht,
    Dat alles Iärdiske verhallt.
    Nou tau, met de Kraft von´t Strange
420 Bührt de Glock nu out de Gruft
    Dat se in dat Réik von´ Klänge
    Upstigg in de Himmelsluft!
    Trecket, trecket, büehrtt!
    Se bewiäg sik, schwiäwt!
425 Fröggen düsser Stadt bedöüte,
    F r i é n, dat séi ihr eist Gelöüe.

Zurück