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Timothy Gene Anderson - ein Student aus Ohio
von Bert Bertling 11.12.2003
Wie Moese und Mastholte Gegenstand der Forschungen amerikanischer Universitäten wurde
Ende des Jahres 2002 vermeldete „Die Glocke“, die „wissenschaftlichen Erkenntnisse am Beispiel Mastholtes“ eines Doktoranden Timothy Anderson seien „im Jahrbuch der Gesellschaft für Deutsch-Amerikanische Studien und in dem in der ganzen Welt universitär verbreiteten ´Journal of Peasant Studies´ veröffentlicht“, damit sei Mastholte sozusagen weltweit bekannt geworden - nur in Mastholte wisse man davon noch nichts.
Anderson hatte in seiner Doktorarbeit über die Auswanderungswelle aus Deutschland im 19. Jahrhundert nach Amerika geschrieben und die Beweggründe der Auswanderer „am Beispiel Mastholtes“ erläutert. Diese Doktorarbeit war nun durch einen Vortrag in Mastholte ins Bewusstsein gerückt, obwohl sie doch bereits 1993 geschrieben und im Dezember 1994 veröffentlicht wurde. Die Volksbank Rietberg, Veranstalter des Vortrags, besorgte dann ein Belegexemplar der Doktorarbeit und überreichte sie feierlich der Stadt Rietberg für das Archiv. Soweit die Vorgeschichte.
Timothy Gene Anderson - ein Student aus Ohio 1991 – 1992 als Student in Münster. Während dieser Zeit häufig Gast in Mastholte und im Hause Bertling – heute Professor Dr. Anderson an der Universität von Ohio in den USA
Dazu äußerte sich Bert Bertling, bekannt als Heimatforscher, ehemaliger Schulleiter in Mastholte: Die Mastholter Auswanderer zogen zu mehr als 90 % in einen Bezirk, der „Osage County“ heißt und fast im genauen Mittelpunkt der USA im Staate Missouri liegt. Das Zentrum heißt „Westphalia“, in Erinnerung an die Herkunft der Menschen dort. Dieses Zentrum ist vergleichbar etwa mit der Großgemeinde Rietberg (Zentrum) und den Ortsteilen. Das Ganze ist ähnlich der Ämterverfassung des früheren Amtes Rietberg.
Wie die Mastholter dort lebten und ihre Nachfahren heute noch leben und in welchem Umfang die Spuren der Mastholter Vergangenheit noch lebendig sind, das hat nun Bert Bertling bereits 1989 im 4. Heft der „Beiträge zur Mastholter Ortsgeschichte“ sehr ausführlich dargelegt. Dieses Heft, in Mastholte etwa 800 mal verkauft, gelangte natürlich auch nach Amerika.
1989: Patricia Hilkemeyer, Bürgermeisterin der Gemeinde „Westphalia“ in Missouri, USA, und Professor Adolph E. Schröder mit seiner Frau (links) zusammen mit Bert Bertling auf Erkundungstour durch das Gebiet ihrer Vorfahren in Mastholte.
Daraufhin besuchte noch im selben Jahr 1989 die Bürgermeisterin von Westphalia, Patricia Hilkemeyer, zusammen mit Professor Adolph Schröder von der Columbia-Universität Missouri Mastholte. Bertling führte sie durch den Ort ihrer Vorfahren, erläuterte ihnen die Geschichte, besuchte das Kirchspiel Wadersloh, zu dem Mastholte früher mal gehörte. Professor Schröder nahm die Versicherung mit, dass seine Studenten, die sich mit der Geschichte der Auswanderer aus Deutschland beschäftigten und darüber auch Doktorarbeiten schreiben, in Mastholte jederzeit herzlich willkommen seien. Sie würden umfänglich in ihren Forschungen unterstützt.
1992 kam nun der besagte Tymothy Anderson für ein Jahr nach Münster, um für seine Doktorarbeit mit dem Titel „Immigrants in the world-System: Domestic industry an industrialization in Northwest Germany and the Migration to osage county, Missouri, 1835-1900.“ (Etwa: Auswanderungen in aller Welt: Industrie und Industrialisation im Nordwesten Deutschlands und die Auswanderung nach Osage County, Missouri, in der Zeit von 1835 bis 1900).
Er rief bei Bertling an und war dann mehrfach Gast im Hause dort.
Hier erhielt er alle Informationen und Unterlagen, die er für seine Ursachenforschung zur ungewöhnlich starken Auswanderungswelle in Mastholte suchte. Er hatte sich nämlich aufgrund des Heftes 4 über Mastholte für das „Beispiel Moese/Mastholte“ entschieden. Immerhin haben von 1835 bis 1860 über 1500 Menschen Mastholte (Moese und Mastholte) in Richtung Amerika verlassen und sich in Westphalia angesiedelt.
Noch heute gibt es im Telefonbuch von Westphalia, in den Kirchenbüchern der 150 Jahr alten Kirchengemeinde, auch im Jubiläumsbuch des Ortes eine Fülle von Mastholter Namen! Selbst auf dem Friedhof kann man Mastholter Namen nicht übersehen. Bertling empfiehlt denen, die sich noch einmal umfassender informieren möchten, die Lektüre seines Buches über Mastholte, das auf den Seiten 229 bis 255 ausführliche Darstellungen enthält.
Anderson beschäftigte sich in seiner Arbeit besonders mit der sehr kritischen Lage der Menschen im "armen, armen Mastholte", wie es in der Überschrift eines Kapitels in Bertlings Heften heißt. Überhaupt ist die soziale Lage der Auswanderer der Schwerkpuntk der Doktorarbeit. Bertling will diese in nächster Zeit noch in einer umfänglichen Darstellung würdigen.
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