Kunstschätze

Die Kunstschätze in St. Jakobus Mastholte

 Bert Bertling (12.08.2008)

25. August die 350. Wiederkehr der Weihe des Gotteshauses

Vor dreihundertfünfzig Jahren, am 25. August 1658 wurde in Mastholte die Kirche dem Hl. Jakobus dem Älteren geweiht. Anlass für ein ganzes Jahr Kirchweihfest 2008 in Mastholte! Im vorigen Jahr berichteten wir über die Baugeschichte von St. Jakobus, heute wollen wir die wichtigsten Kunstwerke beschreiben, die den Besuch dieser im Jahre 2000 sehr schön renovierten Kirche lohnen. Die Darstellung soll auch eine Art Rundgang durch St. Jakobus Mastholte darstellen.

DER HEILIGE

Jakobus1Jakobus der Ältere war der Sohn des Fischers Zebedäus und der ältere Bruder des Jüngers Johannes. Jakobus zählte neben seinem Bruder und Petrus zu den drei bevorzugten Jüngern, die bei der Verklärung Jesu und in seiner Todesangst im Garten Gethsemane zugegen waren. Im Jahr 43 wurde er enthauptet; Jakobus war somit der erste Märtyrer unter den Aposteln
(Apostelgeschichte 12, 1 - 2).   

Den Brunnen vor der Kirche in Mastholte errichtete der Pfarrgemeinderat nach dem Tod des damals so verehrten Pastors Rudolf Bracht, der  in  seiner Zeit  die  Pilgerreisen nach Compostella, dem Grab des Heiligen,  hat wieder intensiv aufleben lassen. Jakobusbrunnen

Der etwas martialisch erscheinende Jakobus wurde von der Mastholter Bildhauerin Monika Kleinewietfeld als Erdenpilger mit Stab, Calebasse und Pilgermuschel geschaffen. Auch der als Muschel gestaltete Platz aus Pflastersteinen erinnert an die Absicht von 1658, eine Verbindung zu schaffen zwischen den Pilgerreisen und der Kirche vor Ort. (1)

DIE DOPPELMADONNA

Wenn wir die Kirche betreten, empfängt uns zuerst das wohl wertvollste Kunstwerk, eine Doppelmadonna,  die im 2. Joch an einem Gestänge  vom Schlussstein  des  Gewölbes herabhängt. Sie gehört  in eine grosse Reihe verwandter Beispiele, die erstmals bekannt wurden in der ausgehenden Stilepoche der Spätgotik um 1520 - hier vor allem aus dem Werkstattkreis  des  „Meisters von Osnabrück“.

Madonna


Doppelmadonna: Sie ist auf der Vor- und Rückseite gleich gestaltet. Allgemein schwebte sie über einem Lettner, der den Altarraum vom Raum des Laienvolkes in der Kirche trennte und somit ihr Gesicht beiden Seiten zuwendete. (2) In Mastholte hat es allerdings keinen Lettner gegeben, aber in der Franziskanerkirche in Rietberg, dem verwandten Kirchbau dort. Osnabrück und Rietberg führen uns vielleicht in die richtige Richtung, wenn wir die Herkunft dieser ältesten Figur irgendwann einmal klären sollten. Die Herkunft nämlich ist ungeklärt. Vielleicht ist die Doppelmadonna mit dem Einzug der Gewölbe 1857 nach Mastholte gekommen als gelungene Nachbildung aus der Spätgotik.                                   

Die Figur zeigt die Muttergottes ohne Krone (was nicht gotisch wäre), aber mit Zepter (und somit Herrscherin, gotisch) und mit dem Kind auf dem Arm, das schon deutlich das Kreuz dem Betrachter entgegenhält und mit beiden Händen trägt. Vom leuchtenden himmlischen Strahlenkranz umgeben, zertritt sie mit dem linken Fuß die Schlange, die die Welt umschlungen hat. ("Sie wird dir den Kopf zertreten", heißt es dazu in der Bibel, Gen. 3,15)

Die Mondsichel gilt als Zeichen für die "Pforte des Himmels". Das Körpergewicht ruht auf dem rechten Fuß; die Gewandfalten, die zur plastischen Gliederung dienen, bekommen dadurch einen S-Schwung. Über dem roten Unterkleid trägt sie den blauen Königinnenmantel und ein braunes Schultertuch, das auch das Kind noch wärmen kann. Die Gesichtszüge beider Figuren haben eher barocken Charakter.

Die Darstellung lässt eine genaue Zeitbestimmung nicht zu, jedoch überwiegen deutlich die spätgotischen Formen der sehr eindrucksvollen Statue. Es ist wohl die wertvollste Figur der Kirche.

DER  HOCHALTAR

Im 500-Seelen-Dorf Calenberg bei Warburg hatte man 1965 eine neue Kirche gebaut und die alte als Leichenhalle  verwendet.  Aber auch  dort schien den Calenbergern ihr alter Barockaltar nicht mehr angemessen. Er wanderte für 12 Jahre ins Archiv der Firma Ochsenfarth  in Paderborn,  die weithin  berühmt ist  für die Renovierung alter Kirchenkunstschätze.

Altar

Das Hauptbild des spätbarocken Hochaltars von St. Jakobus zeigt die Heilige Familie mit Anna, der Mutter Mariens im Hintergrund, ein sogenanntes "Anna-Selbdritt-Bild" (Mutter Anna, Tochter Maria, Enkel Jesus), wenn der hl. Josef dazukommt, wird das Bild auch mitunter “ Die hl. Sippschaft“ genannt. Im Medaillon über dem Hauptbild überreicht die Gottesmutter dem Hl. Dominikus und der Hl. Katharina von Siena einen Rosenkranz. Dominikaner waren und sind auch heute noch Seelsorger in der Gemeinde Calenberg bei Warburg - von dort ist der Altar seit 1978 für 99 Jahre an die Mastholter Pfarrgemeinde ausgeliehen

Der Landeskonservator und das Generalvikariat Paderborn jedoch suchten unermüdlich eine  angemessene Bleibe für das wertvolle Kunstwerk, das ohnehin schon durch mehrere unsachgemäße Farbanstriche kaum noch als solches zu erkennen war.

So traf es sich gut, als man 1978 die Kirche in Mastholte barock renovierte und über eine (dringend notwendige) Neugestaltung des Altarraumes nachdachte. Der Chorraum, die ganze Kirche war kaum noch durch immer wiederkehrende Restaurierungen als ehemals barocker Raum zu erkennen: Landeskonservator und  Paderborn boten 80 Prozent der Renovierungskosten, wenn das Altar-Schmuckstück aus dem Archiv in Mastholtes Kirche zur Geltung kommen  durfte. Eine gute Idee für Pastor Rudolf Bracht und den Kirchenvorstand von St. Jakobus. Man einigte sich auf einen Leihvertrag über  99 Jahre. (3)

Ursprünglich  waren - wie bei allen Altären vor dem Vatikanischen Konzil-  Rückwand und Altartisch eine Einheit.  Nunmehr steht der Tisch mit der  "St.-Anna-Inschrift" frei im Raum wegen der Zelebration  der Messe "zum  Volke" (Vatikanisches Konzil).

Die  Rückwand wirkt nun, auch  noch  angehoben, wuchtiger  und füllt das Achtelchor voll aus.                

DER KÜNSTLER

Der Künstler Josef Bockelmann, der den St.-Anna-Altar schuf, stammte aus Peckelsheim, am 27. Januar  1793  dort geboren. Er war damals im Hochstift Paderborn ein sehr gefragter Künstler. Im Jahre 1821 schuf Bokelmann unseren  Altar (Signatur auf der Rückseite:  "Bokelman   pinx: 1821"). Bekannt  und berühmt  sind  von ihm  die Skulptur  "Erzengel  Michael" von  1825  in  der kath. Kirche in Falkenhagen/Lippe sowie seine um 1970 entdeckten Gemälde "Taufe Jesu"(1821), "Abendmahl",  "Kreuzabnahme" und "Auferstehung"; allesamt im Besitz der katholischen Kirche in Großeneder im Warburgischen. (4)

Eine  durchaus interessante Note am Rande: Der Paderborner Bürgerschützenverein ehrt in seiner Festschrift von 1931 zum 100-jährigen Jubiläum seinen Mitbegründer Bokelmann, der den "Gründungsadler, sitzend  auf einer Stange" angefertigt habe. Ab 1833 wird dann aber von Bokelmann der Vogel mit "ausgebreiteten Flügeln, in den Klauen mit  Reichsapfel  und Zepter, auf dem Kopf eine Krone und im Schnabel einen Ring, rot angestrichen ausgeführt". So wird er bis heute  überall ausgeführt. Dies scheint aus Schützensicht  ein  "kultischer Vorgang von allerhöchstem Rang, wobei bei dieser Form des Adlers erst ein Prinzenschießen" (5) und wohl auch das heutige Insignienschießen auf Apfel, Krone und Zepter z.B. nicht nur in  Mastholte  erst möglich wurde.

SÄULENHEILIGE  UND HISTORISMUS

Im 19. Jahrhundert und beginnenden 20. Jahrhundert gab es in Wiedenbrück einen  Zusammenschluss  von  so genannten Kunsthandwerkern, die weit über ihre Zunft hinaus sich vor allem der sakralen Kunst verschrieben hatten. Dabei pflegten sie eine  Kunstrichtung,  die früher Bewährtes in den sakralen Raum zurückholen sollte, den so bezeichneten „Historismus“:

„Neue schöne Formen für die Baukunst zu bilden ist eine Unmöglichkeit, daher kann nur Befolgen des Alten stattfinden. ....  Nur in der Zusammenstellung der Teile, ihrer Anordnung  und Verzierung   kann  manches,  was  eigentümlich ist, erscheinen ..." (6)

Damit ist  formuliert, was sich diese Handwerkerschar,  die immerhin Kunst von erstaunlichem Rang - auch für Mastholte - produzierte, als Ideal vorstellte: Die einmal vorgefundenen und für sakral angemessen gesehenen Kunstformen in ihre Zeit zu übertragen! Hauptstilrichtung: Gotisch, nunmehr aber „neugotisch“ zu nennen.

Das Interesse kurz vor dem 1. Weltkrieg ging weit über die Grenzen des Altkreises Wiedenbrück hinaus, „denn die handwerkliche und gestalterische Qualität sprach offensichtlich für sich, so dass die Auftragserteilung sich bald auch selbst auf Gebiete aus Übersee erstreckte", was ja durch die Verbindungen durch die Auswanderer nach Amerika nicht so ungewöhnlich erscheint. Jedenfalls mangelte es eben nicht an Kunstliebhabern, die sich dieser Werkstätten in Wiedenbrück bedienten. (7)

KUNSTHANDWERK VON RANG

Das 1000-Jahrfeier-Prospekt der Stadt Wiedenbrück nennt eine bemerkenswerte Reihe an renommierten Kunstprofessoren Deutschlands zu Beginn des vorigen Jahrhunderts, die durch die "Wiedenbrücker Schule"  gegangen  sind; u.a. Burman (Maler), Königsberg, und Guntermann (Bildhauer), Münster. (8) Die Künstler-Werkstatt des Anton Mormann in dieser  Gruppe, die sich vor allem der Ornamentik und  der  Bildhauerkunst verpflichtet hatte, ist die Geburtsstätte der sechs Säulen-Heiligen von Rang in der Mastholter Kirche: Die Heiligen Stephanus, Bernard von Claivaux, Kaiser Heinrich IV., Kaiserin Kunigunde, Notburga und Isidor. Die Chronik erläutert die Anschaffung:

 â€žDer neue Teil (Erweiterung der Kirche von 1905/d.Verf.) erhielt einige ... schöne Heiligenstatuen Heinrichals Schmuck (Hl.  Heinrich und Kunigunde, 1919, hl. Isidor, Patron der Landleute und Knechte und hl. Notburga, Patronin der Bäuerinnen und Dienstmädchen , 1919, -  im alten Teil der Kirche wurden aufgestellt die Bildnisse des hl. Stephanus, Bernhard, Antonius, Mutter Anna, im Chor die Bildnisse des hl. Apostels Jakobus major  Kirchenpatron, Herz-Jesu- und Herz Mariä, Muttergottes und hl. Josef...."   Soweit die Chronik der Mastholter Pfarrei zu den Statuen. (9)

Diese Eintragungen in die Chronik geben Aufschluss über die Intentionen der Anschaffung dieser Kunstwerke für die Kirche, wenn wir an die allgemeinen Bezüge wie "Patron der Landleute und  Knechte" wie "Patron der Bäuerinnen und Dienstmägde" denken. Dennoch: Isidor ist der National-Heilige von Spanien, Notburga die Heilige von Österreich. Der Märtyrer Stephanus wird immerhin in Bayern als der Schutzpatron der Reiter und Kutscher verehrt. Der Hl. Heinrich, hier mit dem Bamberger Dom in der Hand, hatte enge Verbindungen mit dem Paderborner Bischof Meinwart, der Heinrichs Gattin, die hl. Kunigunde, in Paderborn zur Königin krönte. Diese beiden sehenswerten Figuren findet man in vielen Kirchen des Bistums Paderborn – vor allem im Sauerland und eben auch in Mastholte.            

DIE  PIETA

Maria JesusIn der südlichen Außenwand, in einer Nische, entdecken wir eine neugotische Pieta, die ebenfalls aus der „Wiedenbrücker Schule“, aus dem Hause Mormann stammt: Maria  sitzt auf einem  Felsblock, ihr rechter Fuß steht auf einem Felssporn, der linke ist tiefer gesetzt, so dass der Körper Christi diagonal die Gruppe durchzieht. Mit dem rechten Arm umfasst die Muttergottes den Oberkörper ihres Sohnes, ihr Schultertuch schirmt den Leichnam nach hinten ab. Dessen Arme und Beine hängen schlaff herab.

Christus erscheint hier, nach seinem Ableben, ohne Schmerz – wie schlafend: Dennoch liegen Dornenkrone links unten, die Zange und die drei Nägel als schreckliche Zeichen fürchterlichen  Martyriums vorn links auf dem Felsenboden. Maria trauert stumm, mit ihrer linken Hand hält sie die Linke Jesu, gleichsam prüfend, ob Leben zu spüren ist.           

Die Kirchenchronik verzeichnet für 1922 die Anschaffung eines „Gedächtnismals zur Ehrung aller im Weltkriege (1914-1918) gefallenen und verstorbenen  Krieger“ (Tafeln  heute in der Turmkapelle).  Die Pieta diente somit als Teil dieses Ehrenmals. Sie ist allerdings deutlich älter als die  „Heiligen“ aus  dem  Hause Mormann:  Die gleiche Pieta wurde 1900 für die Langenberger Pfarrkirche geschaffen (12),  sie steht seit 1985 in der Langenberger Friedhofskapelle. Der Künstler ist offenbar Anton Mormann (1851-1940), der Vater des Schöpfers unserer Heiligenfiguren, Julius Mormann.  

DER  KREUZWEG

KreuzwegAuf  Kupferplatten malte der Mastholter Kirchenmaler  Fritz  Leisse im  Jahre  1919  den Kreuzweg für die Mastholter Pfarrkirche St. Jakobus. Auch Fritz Leisse gehörte im weitesten  Sinne  schon als Achtzehnjähriger zur Wiedenbrücker Schule, die Kunst und Handwerk in althergebrachten Stilrichtungen miteinander verband, was allgemeinhin als „Historismus“ bezeichnet wird. Leisse war Schüler des Dekorations- und Kirchenmalers Gerhard Goldkuhle, der in Wiedenbrück bis zum 1. Weltkrieg ein großes Atelier mit bis zu 40 Mitarbeitern  unterhielt, die  sich  insbesondere der Kirchenmalerei verschrieben hatten.

Das  Hauptwerk Leisses in der kirchlichen Kunst ist aber wohl der eindrucksvolle Mastholter  Kreuzweg,  wenngleich er  in  langen Wanderjahren  in vielen Kirchen Ornamentik und auch Altarmalereien geschaffen hat. Als Ausweis seiner Malkunst gilt – wie oft bei Künstlern – die Gestaltung der Hände seiner Figuren. (Man betrachte unter diesem Aspekt einmal die Skulpturen Wilfried Kochs zur LGS im Klostergarten!) Nach Fertigstellung dieses Kreuzweges erhielt Leisse unter vielen auch den Auftrag, das im Jahre 1905 fertig gewordene Seitenschiff von St. Jakobus und später auch die gesamte Kirche wie auch die Franziskaner-Kirche in Rietberg auszumalen. Leisse ist übrigens der Großvater unseres derzeitigen Organisten und Chorleiters Paul-Leo Leenen.                               

Die Nazis in Mastholte, die, wie erwähnt, sehr unbeherrscht auch schon einmal Kreuze in der Schule vor den Kindern und Lehrern zertrümmerten, haben offenbar in gleichem Hass auf alles Religiöse mit (Maschinen-) Gewehren auf diesen Kreuzweg im Innern der Kirche geschossen. Jedenfalls kam bei der Kirchenrenovierung im Jahre 2000 zu Tage, dass die Bilder des Kreuzweges, auf Kupferplatten vom Mastholter Fritz Leisse gemalt und an die Wand genagelt (!), durch Geschosse schwer geschädigt waren.  

PATER PLOTZKE

Pater Plotzke, der am Ende des 2. Weltkrieges und einige Jahre danach die Gemeinde als Pastor verwaltete (1943 bis 1948) und die Kirche auch notdürftig renovierte, hatte wohl, um den Kreuzweg einigermaßen wieder für das Gebet herzustellen, die Schadstellen mit einer „Einheitsfarbe“ ausgebessert (mehr stand unmittelbar nach dem Krieg nicht zur Verfügung) und die Einzelbilder in Dreiergruppen zusammengefasst und mit einfachem Holzrahmen versehen. Er hatte wohlweislich die Schadstellen nur überpinselt und sich nicht an die „Neugestaltung“ der beschädigten Bilder gemacht. So konnte bei der letzten Restaurierung der Kirche  im Jahre 2000 auf Veranlassung des heutigen kunstsinnigen Pastors Senkowski die Düsseldorfer Restauratorin Maria Ostrowska den alten Glanz der Bilder wieder herstellen und  ihnen einen sehr geschmackvollen Einzelrahmen geben. (13) 

Münster
In bleibender Erinnerung und von nicht unerheblicher Bedeutung sind jedoch Plotzkes eigene künstlerischen Arbeiten, von denen in der Kirche nur mehr zwei, wenn auch sehr wichtige  erhalten sind und in der Kriegerkapelle im Turm von St. Jakobus hängen, beide ohne Titel von ihm. Die Chronik nennt  das erschütternde Bild vom zerstörten Dom in Münster „Deutsche Passion“ (14)  und das dem gegenüber hängende Bild des  Jakobus „Jakobus-Pilger im Soldatenmantel“. Versuchen wir eine kleine Interpretation:

 

„Deutsche Passion“: Wolfram Plotzke, OSB, schuf  dieses Gemälde eigens für diese Krieger-Gedächtniskapelle, die in ihrer jetzigen Form in den 5 Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg nach und nach entstand. Das Gemälde gibt die Stimmung nach der Katastrophe von 1945 beeindruckend wieder:

Der Gekreuzigte ist der Mittelpunkt, der, so ist unschwer zu interpretieren, mit diesem Krieg noch einmal gekreuzigt wurde - seine Kirche in Gestalt des zerbombten Münsterschen Doms ist zerstört. Auch die Natur litt schwer: Ein zerrissener Baumstamm ragt in das Gemälde. Von unten recken sich begierige Hände vom Krieg zerquälter Menschen in den Blutstrom des Gekreuzigten, gleichsam, als könnten sie im Kreuzesopfer noch einmal Hoffnung suchen oder finden. Eine schreckliche Allegorie des Kriegsendes Ostern 1945!

„Jakobus-Pilger im Soldatenmantel“: Im Militärmantel des 2. Weltkrieges steht der „Jakobus-Pilger“, der Pilger durch die beschwerlichen Wege dieser Welt. An der Brust die Muschel aus Santiago, die das ewige Seelenheil verhieß, den Wanderstab und die Kalebasse für den langen Pilgerweg. Plotzke interpretiert also auch den 2. Weltkrieg als eine Pilgerstation auf dem Wege zur Vollendung des Menschen, angesichts des Bildes in der Kapelle gegenüber - eine schwer verdauliche Interpretation, zumal der Soldat sich als Pilger wohl versteht. Das Bild war ursprünglich Altarbild. 

Das Gegenüber der beiden Bilder, das man in der neuesten Gestaltung nach der Renovierung im Jahre 2000 geschaffen hat, verschärft  die Gedanken an den letzten Krieg. Die Gegenüberstellung scheint mir sehr sinnfällig und gelungen. (14)

DER  KORPUS

JesusIn der Sakristei finden wir ein sehr eindrucksvolles Kunstwerk aus dem 16. Jahrhundert, also viel älter als die Pfarrkirche selbst, einen Korpus: „Christus am Kreuz“. Die Skulptur wurde bei Aufräumarbeiten auf dem Gewölbe der Kirche im Gerümpel gefunden und gleich als großes Kunstwerk von Pastor Senkowski erkannt. Ursprünglich wohl an einem Kreuz gehangen, ließ der Pastor die Skulptur auf einem schwarzen Hintergrund mit Goldrahmen anbringen. Sie empfängt den Celebranten nunmehr  morgens vor dem Gottesdienst in seinem Vorbereitungsraum.

 

Es gibt weiter Sehenswertes in St. Jakobus Mastholte. Zu nennen hier die Marienkapelle, zu nennen die Fensterbilder mit den zwölf Aposteln, weitere Heiligenfiguren auf der Empore wie auch das Chorgestühl mit den Bildern der vier Evangelisten darüber, die selbst als älteste Einrichtung beachtenswert sind, zu nennen aber auch das von Pastor Senkowski eingerichtete kleine Museum im Turm der Kirche mit den sakralen Gerätschaften und Gewändern aus den vergangenen Jahrhunderten. Hier sollte mit dieser Darstellung nur angeregt werden zum Besuch dieses schönen Kirchenraums. Es besteht auch die Möglichkeit einer Führung durch St. Jakobus dem Älteren in Mastholte.

Anmerkungen:

1) Ausführliche Beschreibung in meinem Buch: „Mastholte – die Geschichte zweier Gemeinden: Moese und Mastholte“, 1997, Seite 111 f

2) Vergl. Hans Eickel „Spätgotisches Schnitzwerke des Benediktinerklosters Liesborn",  in„Heimatkalender des Kreises Beckum", 1965, 24 ff

3) Pfarrchronik St. Jakobus Mastholte von 1978

4) Paderborner Stadtarchiv; zitiert nach Anton Ochsenfarth  „Joseph Bokelmann (1793-1842) Maler, Bildhauer und Maspernschätze", in "Die Warte", Nr. 68, 1990,    Seite 4

5) ebenda

6) Benedikt Große Hovest „Kirchliche Kunst des Historismus aus Wiedenbrück", in „Die Wiedenbrücker Schule", Paderborn 1991, Seite 9

7) ebenda, Seiten 29 ff

8) ebenda, Seite 12

9) Chronik der Mastholter Pfarrei, Ziffer 21, unter Jahrgang 1919

10) Große Hovest, a.a.O., Seite 66

11) Chronik St. Jakobus, Jahrgang 1919 -  Ich habe diese Figuren auch ausführlich in  meinem Buch beschrieben, s. Anmerkung 1, Seiten 90 bis 92

12) Kirchenführer: „Katholische Pfarrkirche St. Lambertus und St. Laurentius zu Langenberg", Selbstverlag 1994, Seite 83

13) Vergl. meine ausführliche Darstellung der Vorgänge in „Pater Wolfram Plotzke, an St.  Jakobus von 1943 - 1948“, in  „Heimatblätter des Patriot“, 81. Jahrgang, Folge 19, Lippstadt 2001

14) ebenda

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