Neues aus der Heimatforschung

Der Kirchbauvertrag von 1653 über den Bau von Sankt Jakobus

von Bert Bertling 16.10.2003

In diesen Tagen gedenkt die katholische Kirchengemeinde Mastholtes des Baubeginns der St.-Jakobus-Kirche vor 350 Jahren, als die St. Antonius-Kapelle, die in Mastholte-Süd an der Lippstädter Straße gegenüber der Einfahrt zum Tannenweg stand, zu klein für die Kirchengemeinde wurde.

Im Staatsarchiv Münster befindet sich das Original des Bauvertrages, den der damalige Rietberger Graf Johann IV. mit dem Bielefelder Baumeister Armst am 8. Juni 1653 über die "neu" zu bauende Kirche schloss. Dieser Vertrag, der nachstehend im Wortlaut abgedruckt wird, gibt einen hochinteressanten Einblick in die Art und Weise, wie seinerzeit Bauherren ihren Meistern  Vorgaben  für den  zu  erstellenden Bau  machten. Der Graf übrigens ist mit allen Titeln seiner Herrschaft in der Stiftertafel über dem Eingangsportal der Kirche verewigt. Die Titel stehen auch im Vertrag, siehe unten!

Der sogenannte Baumeister (heute vielleicht Bauunternehmer) war zugleich Architekt, Maurer, Dachdecker, Zimmermann und Schreiner in einer Person. Lediglich für die "Feinheiten" wie Portal- und Fensterverzierungen wurde ein besonderer Steinmetz aus Lippstadt hinzugezogen. Aber auch diesem gab der Bauherr präzise vor, wie er sich die Arbeiten vorstellte.

Der Vertrag im Wortlaut:

1653 Juni 8

  Zu wissen sey hiermit, das auf heut dato Im  Namen Ihro Hochgräfl. Gnaden des hochgeborenen Grafen und Herren zu Ostfriessland und  Ritberg Herrn  in  Esens Stedessdorf Wittmund und Mellrich Königl. Majestät zu Hispanien  Kriegsraht und Obristen mit Meisster Gerd Armsten baumeisster zu bielefeld wegen erbauung der nöen Kirch zu Mastholt veraccordirt und geschlossen worden wie folget:

Erstlich soll gemelter baumeister diese Kirch zu Mastholt in gutter bestendiger arbeit alles nach dem abriss in höchte und weite mit fenstern und dühren liberen, jede Rude sechzehn schu lang sechzehn schu  hoch, und  so  dick die  Mauer ahn Kirch  und thurm  in  sich  ist für  fünf Reichsthaler; die Mauern aber sollen ausswendig und  der  gibel oben alss unden wegen  der höchte gemessen werden - dagegen ist dem Meister jedes tages wan er gegenwertig sein wirt ein .................... und Kost, und sonssten alle hand diensste umb steine und kalk bey zu tragen ausserhalb  dem kalk   schläger  welchen  er selbsten stellen solle, und dan benebens all materialia auf  den  bauplatz  zu  verschaffen versprochen. Zum  andern  die  bausteine belangende, soll der haupt Kirchen thür mit dry staffeln zwei in der mauern und  ein vorliegende  darauf die  seülen  stehen  sollen neun und ein halb schu hoch sechs schu weit mit ein (Henrichs) bogen oder einen halben oval mit  zwey  seülen  und ihrer aussladung und  haubt  gesims  sambt ihre verdachung, wie auch dem hochgräflichen wappen  beyderseits oben einer  Coronen und  an  beider  seithen mit  zirathen  und schackereyen geziret, und zwey löwen dass wappen  haltende, noch eine dühr achte schu hoch vie schu weit, noch drey dühren. jede sieben schu hoch drei schu weit alle mit  einem geraden  stutz  ausswendig einen grosen stab, wie diese figur ausweiset. Item zwolf kirchen fensster jedes zwolf schu  hoch bis  an  den bogen  die runde drey schu hoch, dass fenster 6 schu weit; noch drey doppelte fenster in den klocken thurm jedes  fünf  schu  hoch  bis an den bogen und sechs schu weit mit den mittel pössten der  bogen einen  halben  cirkel, noch  vier  fenster jedes  einen schu weit zwei schu hoch in geml.  klocken thurm die  fenster bänke  alle  eingestellten mit einen wasserschlag die diese figur auswei- set: (Zeichnung s. Abbildung  des Originals) Noch ein  rund  fenster drittehalb schuweit, noch zwei gesimsen an gibel  nach dem abriss, noch drey (höchta) oder ecken ahn  kirch gibel  und thurm  mit quader steine  ausgefüret  alle  wie obstehet auf des  meisters kossten  und auf  der stein gruben geliefert, gemachet und verfertiget werden, bey lieferung aber der bausteine soll jedes mahles einer von den steinbauern darbey sein; wan dan diese steine alle geliefert und die arbeit den abriss und hisigen accord gemess  verfertiget,  und  von gudt  erkandt sollen geml.  Meisster  vor seine arbeit und  steine  190 Reichsthaler zu lohn gegeben, und in werender arbeit den Meister und seinen geselln kost und herberg und schlafung gepachtet werden, auch dass stellholtz gemeinen nach brauch nach verichter arbeit verbleiben.

Geschehen Retberg den 8 January 1653

Aus gul. befellig hochgeml. Ihr hochgrafliche gnaden hab ich diesen vergleich und accord untderschrieben.             (Unterschriften)

Zu bemerken ist noch, dass Baumeister Armst starb, ehe der Turm gebaut werden konnte. Dadurch verzögerte sich der Baubeginn des Turms, der dann in seiner jetzigen Größe sogar noch 33 Jahre nach Vollendung des Kircheraumes im Jahre 1658 bis zu seiner Fertigstellung (1691) brauchte.

STANDORT VON ST. JAKOBUS

Ein Wort noch zum neuen Standort der Kirche: Wir erinnern uns, die Vorgängerin, die St. Antonius-Kapelle stand ja in Mastholte-Süd. Das Gelände der St. Jakobus-Kirche gehörte zum Drostenhof Graswinkel, auf  dem der  Verwalter  der Grafschaft namens von Balcke bekanntlich  residierte. 

Also die  früheren  Vermutungen,  der Verwalter der Grafschaft wollte die Kirche näher  zum Graswinkel haben  und nutzte seine  Möglichkeiten aus, bewahrheiteten sich so.  Die „von-Balckes“, die Verwalter zur  Zeit  des Kirchbaus  sollen im Altarraum der St. Jakobus-Kirche ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Notwendige Erdarbeiten bei der Anlage einer Heizung anfang des 20.  Jahrhundert bestätigten das Vorhandensein  eines Grabes im Chorraum , was  übrigens  zur damaligen Zeit so ungewöhnlich nicht  wahr. Die Mächtigen  und Reichen  kauften  sich  (in Rietberg z.B. sehr häufig) im Kirchenraum ihre letzte Ruhestätte.

Der Vertrag wurde vom Rietberger Grafen am 8.  Januar  1653 ausgefertigt und durch Unterschrift des Baumeisters am 8.Juni 1653 gültig.

Bert Bertling

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