Der große Zapfenstreich

Zum Schützenfest-Monat Juni von der Heimatforschung:

Als militärischer Brauch schon im 16. Jahrhundert

von Bert Bertling 28.05.2004

 „Heute abend, 21.00 Uhr, erwarte ich Euch alle zum traditionellen Zapfenstreich auf dem Platz!“, so der schneidige „Befehl“ unseres Generals, wenn das Bataillon nach den Ritualen des Samstagnachmittags, nach den Begrüßungs-Zeremonien zum Auftakt unseres Festes, dem Aufsetzen des Vogels und den ersten Biermarken „nach hinten wegtreten“ soll.

Großer Zapfenstreich in Mastholte

 Die Kommandos sind schon so militärisch wie unser General - wie der „Zapfenstreich“, immer als „großer“ in Mastholte. Seine Ursprünge gehen bis in das 16. Jahrhundert zurück. Die Zeremonie wurde aus besonderen Anlässen auch in der kaiserlichen Armee, der Reichswehr und der deutschen Wehrmacht gepflegt. Die heute noch gebräuchliche Form des „Großen Zapfenstreichs“ wurde von Wilhelm Wieprecht, dem Direktor sämtlicher Musikkorps des Preußischen Gardekorps zusammengestellt und unter seiner Leitung am 12. Mai 1838 in Berlin zum ersten Mal aufgeführt. (1)

 Ursprünglich bezeichnete man den Zapfenstreich „Abendschluss-Signal“. Wenn im 16./17. Jahrhundert die Landsknechte zur festgesetzten Abendstunde in das Lager zurückkehren sollten, ging ein Offizier durch die Schänken und Kneipen und schlug mit seinem Stock auf den Zapfhahn des Bierfasses. „Bereits 1726 berichtet der Freiherr von Fleming, dass dabei den ‘Profos’, den Zuständigen für den Feierabendbefehl, Trommler und Spielleute begleiteten. In den Standorten der Kavalerie-Einheiten war es ein Trompetensignal (Retraite), das das Ende des Tages bekanntgab.“ (2)

 Nach der Amtshandlung, dem „Zapfen-schlag“ und der gespielten „Musike“, wie der Landsknecht beides nannte, durfte der Wirt keine Getränke mehr ausgeben. Die Soldaten mussten ihre Zelte aufsuchen. Wer sich diesem musikalischen Befehl, dem „Streich auf den Zapfen“, widersetzte, konnte hart bestraft werden. In einem Schriftstück heißt es: „Dann auch kein Soldat sich nach dem Zapfenschlag in einigen Wirtshause oder auff der Gassen finden, noch der Wirt ihme nach dem Zapfenschlag Bierreichen, sondern wann er betroffen wird, aufgenommen und exemplariter abgestraffet werden soll.“ (3)

 Der sächsische Major und Freiherr ans von Fleming spricht bereits 1726 vom „Zapfenstreich“.

Früh schon spielten die Musiker Märsche als „Zapfenstreich-Musike“ (z.B. Altpreußischer, Sächsischer, Bayerischer, Russischer Marsch). 4 Bald erließ der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. von Preußen Bestimmungen zu diesem abendlichen Ende des geselligen Zusammenseins der Landsknechte. Während der Freiheitskriege um 1812/1813 nahm in Preußen das Ritual schon zeremoniellen Charakter an. Schließlich befahl Friedrich Wilhelm III. sogar die Einführung eines Gebetes, eines geistlichen Liedes oder eines Abendliedes nach dem „Zapfenstreich“.

Und so entwickelte sich ein Ablauf, der noch heute in Gebrauch ist und von Wieprecht als gedruckte Partitur (1866) vorliegt: Spielleute locken zum zeremoniellen Zapfenstreich Der Marsch als eigentliche Zapfenstreich-Musike Zapfenstreich der Kavallerie Anschlagen der Tambours und Pfeifer zum Gebet Das Gebet (Choral. „Ich bete an die Macht der Liebe“ v. D.S. Bortnjanskij) Schluß. Gewehr ein! (Ruf nach dem Gebet). Seit 1922 als Ausklang die Nationalhymne.

 Heute wird zur Ehrung von Staatsgästen (mit deren Nationalhymne am Ende) oder auch an Staatsfeiertagen oder zur Verabschiedung von Persönlichkeiten des Militärs oder der Politik und bei feierlichen Vereidigungen der Zapfenstreich angeordnet. (Es gibt ähnliche Rituale im Ausland.) Die Bundeswehr begleitet die Spielleute und das Musikkorps beim Zapfenstreich mit zwei Zügen Soldaten unter Gewehr und Fackelträgern.

Anmerkungen:
1) Vergl. Friedrich Kuhn „Zapfenstreich - Brauch und Ursprung“, in „Der Patriot“, 22.10.1982
2) Vergl. Degele“ „Die Militärmusik“, 1937
3) Kuhn, a.a.O.
4) Vergl. in F. Deisenroth „Deutsche Militärmusik in fünf Jahrhunderten“, 1961

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