Neues aus der Heimatforschung

Amerikaner in Mastholte auf der Suche nach Ihren Vorfahren - den Sonntags!

von Bert Bertling 30.08.2003

Die Familie Sonntag gibt es nachweisbar bereits seit 1659 im Kirchspiel Mastholte

Mastholte (hec) - Die Überraschung fand schon  drei Monaten zuvor statt, der Besuch Anfang Juni: Die Familie Karl Sonntag an der Waldliesborner Straße erhielt Besuch von der bis dahin nicht bekannten Tante aus Amerika. Sie hatte den Sonntags in einem  Brief geschrieben, dass sie miteinander verwandt seien, der gemeinsame Urgroßvater sei Ende des 19. Jahrhunderts (um 1870) nach Amerika ausgewandert. Sie habe diese Informationen aus dem Mastholte-Buch des Heimatforschers Bert Bertling erhalten, dieser habe ihr das Buch vor einigen Monaten auf ihren Wunsch hin geschickt. Seitdem gingen Briefe von Mastholte nach Kalifornien und umgekehrt.

 Denn kurz entschlossen  plante Mrs. Nixon, geb. Sonntag,  mit ihrem Mann (übrigens nicht verwandt mit dem ehemaligen Präsidenten der USA) kurzerhand eine Europareise mit einem ausführlichen Abstecher in den Ort ihrer Vorfahren nach Mastholte. In freudiger Erwartung empfing die gesamte „Sippe“ des Karl Sonntag mit Ehefrau und allen Kindern, Schwiegersöhnen und Enkelkindern die „neuen“ Verwandten, die „Tante und den Onkel aus Amerika“ im prächtig herausgeputzten Hof an der Waldliesborner Straße!

Von links: Anneliese und Karl Sonntag, Janet und Bob Nixon, Karlheinz und Anne Sonntag, Bert Bertling

Alte Briefe, die die Sonntags in Mastholte auf dem Dachboden gefunden hatten, konnten jetzt endlich richtig eingeordnet werden, Fotos, die die Nixons aus Amerika mitbrachten, zeigten Familiengruppen aus alter Zeit in Mastholte. Jetzt galt es auch, die Familiengeschichte genauer zu erforschen. Dazu hatte Heimatforscher Bert Bertling aus den Kirchenbüchern Mastholtes der „Sonntags-Runde“ einen kompletten Stammbaum zusammen gestellt, der bis 1681 zurück ging. Janet Nixon aus St. Louis (heute wohnt das Ehepaar in Kalifornien) ergänzte diesen mit den Daten aus amerikanischer Sicht.

Sodann erläuterte Bertling den Amerikanern und den Mastholter Verwandten: Die Mastholter Kirchenbücher reichen bis 1681 zurück. Davor gibt es nur erhaltene Steuerlisten, z.B. die älteste Mastholter und Moeser Liste von 1554; auf diesen Listen jedoch taucht der Name „Sontag“ oder „Sonntag“ noch nicht auf;  aber im ersten Kirchstuhlregister von 1659  ist ein Henrich Sonntag schon verzeichnet.

Das Kirchstuhlregister ist ein Verzeichnis derer, die sich sozusagen einen Platz in der Kirche sicherten - gegen Bezahlung, versteht sich. Eine Art Kirchensteuer.  Das bedeutet, die Sonntags sind irgendwann zwischen 1554 (Liste) und 1653 (Bau der Kirche) in Mastholte zum ersten Mal erwähnt. Dann stehen erstmals  Ehepaare mit dem Namen Sonntag am Ende des 17. Jahrhunderts als Mastholter im Kirchenbuch, das dort erst beginnt:
Am 20. 10. 1683 Henrich Sontag heiratet Gertrud Hamelbeck,  

Zeugen: Stefan Bick et Stefan Hamelbeck,

am 03.04.1689  wird ihr erstes Kind Everhardus Sonntag getauft.

Ein zweites Ehepaar mit dem Namen Sonntag taucht um 1690 auf, als sie ihr erstes von später acht Kindern taufen lassen: Joannes et Catharina Sonntag, die Heirat hat wahrscheinlich vor Beginn des Kirchenbuches stattgefunden.

Nicht zu übersehen ist die enge Verflechtung der Familien überhaupt in Mastholte. Dabei ist Familie Sonntag typisch. In die Familie heirateten Töchter von den Höfen Huchtmeier, Kühmann, Woestemeyer, Hanebrink, Bick, Paßgang, Hamelbeck, Winckenstedde, Vorhoff, Kaiping, Austermann, Hille und Hilke, (aber auch viele von auswärts, von Wadersloh, Wiedenbrück, Westenholz, Benteler und Rietberg) im Verlaufe der jetzt bekannten letzten 350 Jahre ein.

Von links: Karlheinz Sonntag, Bert Bertling, Maria Münster, geb. Kühmann , Janet Nixon, Elisabeth Kühmann und Karl Sonntag beim Besuch auf dem Hof Kühmann in der Wimmelheide

Janet Nixon besuchte deshalb auch die Familien Kühmann und Huchtmeier, die zur engeren Verwandtschaft von Nixons oder auch Sonntags gehören (3. +  4. Grad), wenn man die gesamten 350 Jahre der aufgedeckten Geschichte der Familien bedenkt.

Karl-Heinz Sonntag, derzeitiger Eigner des Hofes Sonntag an der Waldliesborner Straße, und Janet Nixon, wie Bertling im Lehrberuf, aber auch begeisterte Familien- und Heimatforscherin, verbrachten Stunden über den Briefen und Kopien aus den Mastholter Kirchenbüchern.

Der Hof Sonntag an der Waldliesborner Straße vor rund 100 Jahren!

Die Briefe des Großvaters der Janet Nixon brachten überdies interessante Einzelheiten aus der ersten Zeit des Auswanderers Joseph Sonntag in 1875 von Mastholte über Bremerhaven nach New York und weiter nach St. Louis im Staat Missouri - dorthin, wo über 80 Prozent aller Auswanderer aus Mastholte gelandet sind. Die meisten von ihnen allerdings in den Ort Westphalia in der Nähe von St. Louis. Josph Sonntag schreibt von harter, sehr harter Arbeit als Eisenbahner, er schreibt, dass auch in Amerika die erste Zeit kein Zuckerschlecken gewesen ist.

Man fand sich in Amerika in den Glaubensgemeinschaften, hier als Katholiken zusammen. Die deutschen Katholiken in St. Louis trafen sich regelmäßig nicht nur zu Gottesdiensten. Man stützte sich gegenseitig in schweren Zeiten, die damals auch schon von Arbeitskämpfen geprägt waren, wobei die Kämpfe nicht selten auch körperlich ausgetragen wurden. Joseph Sonntag spricht gar von einer Erfahrung, in der es einen Toten bei Straßenkämpfen gekommen ist.

Hochinteressant ist die Mitteilung in einem Brief, in dem es heißt, er, Joseph Sonntag sei einer Versicherung auf Gegenseitigkeit im Rahmen der Katholiken beigetreten, er zahle monatlich 5 Dollar ein und erhalten im Krankheitsfall Unterstützung, auch im Todesfall würden die Kosten der Bestattung übernommen. Also bereits eine Krankenversicherung. Möglich, das die damalige Bismarcksche Sozialversicherung auch auf dem Briefweg in Amerika den Deutschen bekannt wurde.

Von links: Bürgermeister André Kuper, Janet Nixon, Stadtarchivar Manfred Beine, Bob Nixon beim Besuch des Rathauses im sogenannten „Hochzeitszimmer“.

Neben dem herzlichen Empfang der Nixons auf dem Hof von Karl Sonntag hatte Bertling den Amerikanern auch noch ein kleines Besichtigungsprogramm durch Mastholte zusammengestellt: Ein Rundgang durch das Dorf der Vorfahren mit Führung durch die Jakobus-Kirche, das Heimathaus und die Schule (Janet Nixon ist Lehrerin). Auch organisierte er einen Besuch der Familien beim Bürgermeister in Rietberg. Ein Besuch auf den Höfen Kühmann und Huchtmeier, die ebenfalls zum erweiterten Kreis der Verwandtschaft entdeckt wurden, gehörte ebenfalls zum Programm.

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